Die Provinz Pommern

im ehemaligen Freistaat Preußen

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Allgemeines

Pommern war von 1815 bis 1945 eine Provinz im ehemaligen Königreich (bis 1918) bzw. Freistaat Preußen. Der Provinz Pommern stand der Oberpräsident vor, der seinen Sitz in der pommerschen Hauptstadt Stettin hatte.
Im Jahr 1939 hatte die Provinz Pommern eine Fläche von 39 197 km² und wäre im heutigen Deutschland das drittgrößte Bundesland gewesen. Anfang der 1930er Jahre gab es in Pommern (Gebietsstand 1939, siehe Landkarte) 93 Städte, 2854 Landgemeinden und 34 - zumeist unbewohnte - Gutsbezirke. Die Bevölkerung lebte 1925 an 10 267 Wohnorten (amtlich Wohnplätze) in 233 984 Wohnhäusern.

Bevölkerung von Pommern

Die Provinz Pommern (Gebietsstand 1939) hatte 1925 eine Wohnbevölkerung von 2 221 893 Einwohnern (im Schnitt 9,5 je Wohnhaus). Von den Einwohnern waren 1 083 203 männlich (48,8 %) und 1 138 690 weiblich (51,2 %). Diese Bevölkerung lebte in 539 114 Haushaltungen (4,1 Einwohner im Haushalt bzw. 2,3 Haushaltungen je Wohnhaus). Die Einwohnerdichte betrug nur 56,7 Einwohner pro km².
Die Konfession der großen Mehrheit der Pommern war in Folge der Reformation im Jahr 1534 evangelisch. Im Zentrum von Pommern lebten in vielen Landgemeinden nur oder fast nur Protestanten. In ganz Pommern gehörten der vereinigten lutherisch-reformierten Landeskirche 2 014 536 Einwohner an (90,7 %). Weitere Protestanten waren die 27 946 Mitglieder der Freikirchen (1,3 %), zu denen besonders die (Alt)Lutheraner zählten. Die zweite große Gruppe der Christen waren die Katholiken mit 149 224 Kirchenmitgliedern (6,7 %). Besonders im östlichen und südöstlichen Teil von Hinterpommern war ein signifikanter Anteil der Einwohner seit alten Zeiten katholisch. Aber auch im nördlichen Vorpommern gab es durch die zugewanderten Landarbeiter einen nennenswerten Anteil Katholiken. Auch die letzten Jahrzehnte erst zugewandert war die kleine Gruppe der 2599 orthodoxen Christen (0,1 %). Die drittgrößte Religionsgemeinschaft in Pommern waren 1925 die 11 077 Juden (0,5 %), die über die ganze Provinz verteilt waren. Schließlich gehörten 9015 Einwohner anderen Religionen an und 7496 waren ohne konfessionelles Bekenntnis.

Verwaltung von Pommern

Das Oberpräsidium und die weiteren Behörden der Provinzialverwaltung von Pommern befanden sich in Stettin. Darüber hinaus gab es in der Provinz Pommern 4 Regierungen - in Stettin (1815-1945), in Köslin (1815-1945), in Stralsund (1818-1932) und in Schneidemühl (1938-1945) - denen jeweils ein Regierungspräsident vorstand. Der Regierungsbezirk Stralsund wurde 1932 aufgelöst und dessen Kreise mit dem Regierungsbezirk Stettin vereinigt. Der Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen mit Sitz in Schneidemühl entstand im Oktober 1938 bei der Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und umfasste von letzterer 4 Landkreise und einen Stadtkreis, 2 Landkreise von der Neumark und 2 vom alten Pommern. Nach dieser Erweiterung von 1938 blieb der Gebietsstand der Provinz Pommern bis 1945 bestehen.
Auf der mittleren Verwaltungsebene war die Provinz Anfang 1939 in 32 Landkreise und 8 kreisfreie Städte (Stadtkreise) eingeteilt (siehe Landkarte). Davor wurden 1932 die Landkreise Bublitz und Schivelbein aufgelöst (nicht mehr auf der Landkarte) und großteils mit den Kreisen Köslin bzw. Belgard vereinigt. Danach wurde im Oktober 1939 als letztes der Landkreis Randow aufgelöst (noch auf der Karte) und viele Gemeinden (auch die Städte Altdamm und Pölitz) an Stettin und die restlichen an die umliegenden Landkreise angegliedert.
Weitere Informationen zur Geschichte und Verwaltung von Pommern auf Pommern - Das Land am Meer.
Kreiseinteilung der Provinz Pommern Anfang 1939
Kreiseinteilung der Provinz Pommern Anfang 1939

Die Landkreise in Pommern 1939:

  1. Anklam
  2. Arnswalde
  3. Belgard (Persante)
  4. Bütow
  5. Cammin i. Pom.
  6. Demmin
  7. Deutsch Krone
  8. Dramburg
  9. Flatow
  10. Franzburg-Barth
  11. Friedeberg Nm.
  12. Greifenberg i. Pom.
  13. Greifenhagen
  14. Greifswald
  15. Grimmen
  16. Kolberg-Körlin
  17. Köslin
  18. Lauenburg i. Pom.
  19. Naugard
  20. Netzekreis
  21. Neustettin
  22. Pyritz
  23. Randow
  24. Regenwalde
  25. Rummelsburg i. Pom.
  26. Rügen
  27. Saatzig
  28. Schlawe i. Pom.
  29. Schlochau
  30. Stolp
  31. Ueckermünde
  32. Usedom-Wollin

Die Stadtkreise in der Provinz Pommern 1939:

  1. Greifswald
  2. Kolberg
  3. Köslin
  4. Schneidemühl
  5. Stargard i. Pom.
  6. Stettin
  7. Stolp
  8. Stralsund

Familienforschung in Pommern

Für die Erforschung der eigenen Vorfahren ('Ahnenforschung') in Pommern gibt es drei wesentliche Säulen. Zunächst sind dies (1) die Unterlagen in Privathand (nicht notwendigerweise der eigenen), die den 2. Weltkrieg überstanden haben, sowie das Wissen der lebenden Verwandten und anderer Forscher. Hierbei handelt es sich besonders um erhaltene Familienbücher, Ahnentafeln oder Quellenabschriften aus Zeiten des 3. Reiches sowie alte Fotografien. Von der Verfügbarkeit kommen danach (2) die Bücher und Zeitschriften - von abgedruckten Originalquellen, amtlichen oder halbamtlichen Schriften über Chroniken bis hin zu ausgearbeiteten Genealogien. Diese würde man zuerst in öffentlichen Bibliotheken suchen, wobei einige dieser Druckschriften aufgrund des Krieges nur als Unikate überliefert sind. Mit Ausnahmen sind diese gedruckten Schriften über die Fernleihe deutschlandweit benutzbar. Dagegen schwierig, weil nur vor Ort zu benutzen, sind (3) die in öffentlichen Archiven verwahrten genealogischen Unterlagen - von Kirchenbüchern und Standesregistern, über Bürgerbücher und Innungsschriftgut, Kataster und Grundbücher bis hin zu Gerichtsschriftgut wie Testatmente und Rezesse. Diese Unterlagen lagern heute in Pommern selbst oder in Berlin und nur ein geringer Teil ist durch die Verfilmungen der Mormonen weltweit benutzbar.
Weitere Informationen zur Familienforschung in Pommern.

Pommernkontakte - das Verzeichnis pommerscher Familienforscher

Um herauszufinden wer sonst schon Informationen zu den eigenen Vorfahren oder Familien von Interesse zusammengetragen hat, bedarf es einer Stelle, die dies umfassend verzeichnet. Das seit 2001 bestehende Projekt Pommernkontakte ist dieses öffentliche und frei zugängliche Verzeichnis der pommerschen Familienforscher. In die Pommernkontakte haben sich bereits 13606 Familienforscher in Pommern eingetragen und können damit durch andere Forscher gefunden werden. Sie haben dadurch neue Kontakte bekommen und viele Informationen ausgetauscht, sowie nahe oder entfernte Verwandte wieder oder neu gefunden. Die eingetragenen Nachnamen sind auf diesen Seiten bei den einzelnen Orten mit aufgelistet. Die insgesamt 37 649 Einträge betreffen dabei 2786 von 2947 Gemeinden (95 %) der Provinz Pommern.
Der Nutzen dieses kostenlosen Projektes nimmt um so mehr zu, je mehr Forscher sich daran aktiv beteiligen. Es sind daher alle pommerschen Familienforscher aufgerufen, sich bei den Pommerkontakten zu registrieren und Einträge für ihre Familien zu machen. Hinsichtlich der Teilnehmerzahl ist das Projekt schon heute das größte derartige in Deutschland, obwohl es nur Pommern umfaßt.

Pommern-Genealogie-L Postverteiler ('Mailing-Liste')

Ein elektronischer Postverteiler ermöglicht es konkrete Fragen an andere anfangs noch unbekannte Familienforscher im gleichen Gebiet zu stellen und Forschungshinweise zu bekommen, Informationen auszutauschen oder von dem Wissen und den Erfahrungen anderer Forscher zu lernen. Der Postverteiler Pommern-Genealogie-L beschäftigt sich mit Familienforschung und Ortsgeschichte in Pommern und bietet allen Forschern in Pommern ein Forum. Die Teilnahme ist vollkommen kostenlos. Nach dem Einschreiben bei Pommern-Genealogie-L kann man die laufenden Beiträge mitlesen und mitschreiben, aber auch das Lesen der bereits verschickten und archivierten Beiträge kann hilfreich sein.

Adreßbücher für Pommern

Eine typische Fragestellung von Familienforschern ist, wo sich einzelne Personen oder Familien aufhielten bzw. wie häufig die Familiennamen waren und wo diese verbreitet vorkamen. In Pommern gab es mehrere Volkszählungen (die letzte 1939), aber deren Daten wurden nur als Statistik publiziert und die Umfragebögen mit den Personenangaben vernichtet. Gedruckte Adreßbücher können solche Fragen großteils beantworten und an die Stelle einer Volkszählung treten - sofern die Daten in einer Datenbank erfasst vorliegen.
Mit dem Projekt Adreßbuch Pommern gibt es eine solche Datenbank, in der 1 440 501 Einträge der Jahren 1829 bis 1942 aus 145 pommerschen Adreßbüchern abgeschrieben wurden. Die Vollständigkeit variiert deutlich zwischen den Kreisen, da die Adreßbücher nicht planmäßig und für alle Landkreise erschienen sind. Für die pommerschen Stadtkreise gab es Adreßbücher seit dem 19. Jahrhundert, teilweise sogar seit der Mitte, und in häufiger Folge bis Ende der 1930er Jahre. Die Kreisadreßbücher begannen dagegen in Pommern erst Mitte der 1920er Jahre und für manche Landkreise gab es mehrere davon, für andere gar keine. Ein Ersatz für die fehlenden Kreisadreßbücher können Gewerbe- und Güteradreßbücher sowie Telefonbücher darstellen, die aber nur Teile der Bevölkerung enthalten. Dadurch betreffen die Daten im Adreßbuch Pommern aber 0 von 2947 Gemeinden (0 %) in der Provinz Pommern. Für viele Wohnorte sind die bisher bekannten Nachnamen aus den Adreßbüchern auf diesen Seiten vollständig genannt - für die Städte aufgrund des großen Umfanges nur ein Teil.

Kirchenbücher und Standesregister von Pommern

Kirchenbücher und Standesregister sind die wichtigsten Quellen für pommersche Familienforscher. Vor dem 2. Weltkrieg gab es in Pommern etwas über 738 evangelische und 80 katholische Kirchspiele, sowie 858 Standesämter, die ihre Unterlagen selbst vor Ort verwaltet haben. Dadurch haben diese Quellen in Hinterpommern sehr unter den Folgen des Krieges gelitten und sind in nicht unwesentlicher Anzahl vernichtet worden oder bis heute verschollen. Während die vorpommerschen Kirchenbücher und Standesregister weiterhin vor Ort lagern und erst im Begriff sind verfilmt zu werden, sind die hinterpommerschen Kirchenbücher und Standesregister über zahlreiche polnische und deutsche Archive verstreut. Leider gibt es bis heute kein umfassendes Verzeichnis, das die erhaltenen Bestände für Pommern verzeichnet.
Auf den Seiten der einzelnen Wohnorte wird der Versuch unternommen, die erhaltenen pommerschen Kirchenbücher und Standesregister nachzuweisen. Diese Angaben sind keinesfalls vollständig und auch nicht immer auf dem heutigen Stand. Trotzdem kann man im allgemeinen davon ausgehen, dass das genannte Schriftgut erhalten ist.

Literatur

  1. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Pommern. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Oktober 1932. Berlin: Preußisches Statistisches Landesamt, 1932.
  2. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Brandenburg. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Juni 1932. Berlin: Preußisches Statistisches Landesamt, 1932.
  3. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen. Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und anderen amtlichen Quellen unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 1. Dezember 1930. Berlin: Preußisches Statistisches Landesamt, 1930.